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Museen-Service
In welchen deutschen Museen, Ausstellungen und Technik-Sammlungen gibt es etwas über Fahrrad-Geschichte zu erfahren und historische Modelle zu sehen? Wir geben einen kleinen Überblick.
Buchtipp
Technikgeschichte ohne Zopf
Wen die historischen Museums-Exponate inspiriert haben, mehr über Fahrrad- und Mobilitätsgeschichte zu erfahren, der ist gut beraten mit einem neuen, unverblümten Buch über den Erfinder des ersten Fahrrads - und den politischen Repressalien, denen er und seine Erfindung ausgesetzt waren.
Die schicksalhafte Erklärung findet sich in einer alten Zeitung von 1849: Freiherr Karl Friedrich Ludwig Christian Drais von Sauerbronn - der Erfinder des ersten, im Laufen betriebenen Fahrrades - bekennt sich zu Demokratie und schwört seinen Adels-Privilegien ab. Für den späteren Karl Drais und das Erbe, das er der Technikgeschichte hinterließ, eine folgenreiche Tat.
Der Publizist und Technik-Wissenschaftler Hans-Erhard Lessing verbindet in seinem neuen Buch* zwei Handlungs- und Erzählstränge miteinander, die mehr und mehr logisch miteinander verwoben erscheinen: Zum einen leitet der Autor in einem außerordentlich spannenden Stil her, wie das Fahrrad im 19. Jahrhundert zum Prototypen einer neuen, individuellen "Automobilität" jenseits des Pferdes wurde - und damit zum direkten Vorläufer der ersten Automobil-Entwicklungen. Fahrrad und Auto stünden somit "in einer Entwicklungslinie" - das Drais'sche Laufrad als "Vorläufer von Fahrrad, Motorrad, Automobil und Aeroplan."
Und: Lessing beschreibt, wie der zum Demokraten konvertierte Drais systematisch zuerst von konservativ-monarchistischen Kreisen, später dann von einer immer mächtiger werdenden Automobil-Lobby diskreditiert und lächerlich gemacht wurde - und seine revolutionäre Erfindung sogar mit Verboten und Gesetzes belegt wurde, um Eisenbahnen und Autos den wirtschaftlichen Weg zu ebnen. Und eine "verzopfte", altertümliche Technik-Geschichtsschreibung habe lange ihren Teil dazu beigetragen, Drais und seine Erfindung herunterzureden: "Die Perücken-Automobilhistoriker haben noch 1986 die Stirn, den Vater des Automobils (Drais) zu verleugnen."
Das mit zahllosen Fotos und historischen Dokumenten angereicherte Buch ist durchaus provokanter Stoff, viel mehr als eine bloße Drais-Biografie - und liest sich dabei wie ein spannender Polit-Krimi.
Christoph Rasch
* Hans-Erhard Lessing: "Automobiltät - Karl Drais und die unglaublichen Anfänge", MAXIME Verlag Leipzig, 2003. 528 Seiten mit unzähligen Abbildungen, 32 Euro. ISBN 3-931965-22-8.
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